Man muss das Leben tanzen.
Nietzsche
Es gibt einen Tanz,
den niemand tanzt,
wenn du ihn nicht tanzt;
es gibt deinen Tanz,
ein Tanz, der entsteht,
wenn du ihn tanzt.
(Chora Kalender)
„Tanz ist die Wahrnehmung des eigenen Körpers mit all seinen Knochen, Knorpeln, Muskeln, Sehnen, Bindegeweben, Flüssigkeiten, Organen. Es ist die Wahrnehmung und das Bewusstsein von Lage, Gewicht, Richtung der einzelnen Körperpartien und vom Zusammenspiel derselben. Es ist eine ständige Neu- und Umorientierung in der Organisation sämtlicher Nervenimpulse und damit eine fortwährende Entdeckung der momentanen Physikalität. Tanz ist auch die Wahr-nehmung des Raumes innerhalb und außerhalb des Körpers, das Erspüren von Verbindung, Dis-tanz, von Leere und Fülle. Tanz ist ein Spiel mit der Dynamik, ein bewusstes Einsetzen und Re-gulieren von Tempi und Kraft. Und – zu guter Letzt – ist Tanz ein Annehmen und Aufnehmen von Stimmung und Gefühl. Denn wenn der emotionale Gehalt der Bewegung dem Tanz seinen Inhalt gibt, spielt es keine Rolle, ob man sich im Studio an einer Ballettstange oder im Kreis an den Händen hält, ob man im Scheinwerferlicht auf der Bühne steht oder einfach nur im Strassencafè in der Sonne sitzt und mit den nackten Zehen klimpert.“ (Claudia Roemmel, Chora Tanzkalender 2005)
„Die klimpernden Zehen sehe ich bildhaft vor mir und fange selbst an damit zu spielen und spüre den Rhythmus, den Fluss und die Sonnenstrahlen durch meinen Körper fluten. Mein Empfinden beim freien Tanzen will ich noch anschließen, auch wenn die Gefühle so wenig in Worte gekleidet werden können. Bewusste Wahrnehmung wie oben beschrieben ist dabei nicht im Fokus, das ist ein Wirken, Werden, Schaffen und Tun, mit einer energiespendenden Anstrengung verbunden, eine chaotische geordnete Webkunst, eine Gleichzeitigkeit von allem was sein kann, eine andere Zeitdimension. Raum und Zeit heben sich auf, sind eins und alles. Ich wiege mich, bewege gleichzeitig, versetzt, stockend, fließend meine Arme, Beine, Hände, Füße, Popo, Becken, Kopf, Glieder, Muskeln. Fühle meinen Puls-, Herz- und Fußschlag. Mein innerer Rhythmus, mein pfeifendes Lied, mein Atem, tief. Hüpfe, halte inne, gleite, schwebe, spüre den Boden, den Himmel, die Weite, Ferne, Nähe, die Wände, meinen Körper. Bin im Hier und Jetzt und in großen Phantasien, in der Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart, in Parallel- und Traumwelten. Schwitze, atme, strahle. Bin durchströmt von Lebenssaft mit allen Emotionen gewaschen, kraftvolles Schild, alles ist gut, nichts kann mehr passieren. Ich bin stark, ich bin verbunden, ich lebe.“aus Alexandra Thiele: Spread your wings
„Wer inne hält, erhält innen Halt.“
„Von allen Künsten, die der Mensch ausübt, ist der Tanz die ursprünglichste.“ (Boehn, S. 7)
„Ich tanze, weil kein Teil meines Leibes ohne Erfahrung sein soll“ (N.N.)
„Tanz integriert den ganzen Menschen. Lediglich zur äußeren Fortbewegung würde das Instrument, d.h. der bewegliche Körper allein, genügen. Bei der tänzerischen Improvisation gelangen aber die Erfahrungen des Geistes aus der äußeren Welt und die aus der Seele aus der inneren Welt ebenso zum körperlichen Ausdruck. Die dadurch gefundene tänzerische Gestaltung wirkt wieder zurück auf Seele und Geist“ (Mahler, 1993, S. 9)
denn er befreit den Menschen
von der Schwere der Dinge,
bindet den Einzelnen
zur Gemeinschaft.
der alles fordert und fördert:
Gesundheit und klaren Geist
und eine beschwingte Seele.
der Zeit, des Menschen,
der dauernd in Gefahr ist,
zu zerfallen, ganz Hirn, Wille
oder Gefühl zu werden.
den ganzen Menschen,
der in seiner Mitte verankert ist,
der nicht besessen ist
von der Begehrlichkeit
nach Menschen und Dingen
und von der Dämonie
der Verlassenheit im eigenen Ich.
den beschwingten Menschen
im Gleichgewicht aller Kräfte.
sonst wissen die Engel
im Himmel mit Dir
nichts anzufangen.
